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Abwertungstabellen und Bewertungsschemas

Die Bestandsbewertung bestimmt den buchhalterischen Wert von Lagerbeständen. Prosoft unterstützt verschiedene Bewertungsmethoden und eine automatische Abwertung nach Bestandsalter. Die Konfiguration erfolgt in den Modulen Abwertungstabellen und Bewertungsschemas.

Abwertungstabellen

Eine Abwertungstabelle definiert, wie Bestände nach einer bestimmten Lagerdauer im Wert gemindert werden.

Feld Beschreibung
Bezeichnung Name der Tabelle
Abwertungsindikator Bezugspunkt für das Bestandsalter

Abwertungsindikator

Indikator Beschreibung
Letzter Zugang Das Alter bemisst sich am letzten Wareneingang
Letzter Abgang Das Alter bemisst sich am letzten Warenausgang
Letzter Zugang oder Abgang Das Alter bemisst sich an der jüngsten Bewegung gleich welcher Richtung

Abwertungssätze

Zu jeder Tabelle werden Abwertungsstufen hinterlegt:

Ab Monaten Abwertung
6 10 %
12 25 %
24 50 %

Abwertung im Detail

Die Abwertung mindert den Bewertungswert einer Position auf Basis des Bestandsalters. Sie wird nach der Bewertungsmethode angewendet: Prosoft berechnet zuerst den Bewertungswert (z. B. nach FIFO oder Letztem EK) und zieht davon den Abwertungsprozent ab.

Die Formel lautet: Bewertungswert × (100 % − Abwertungsprozent) = abgewerteter Bewertungswert

Bestandsalter ermitteln

Das Bestandsalter ergibt sich aus dem Abstand zwischen dem Stichtag der Bewertung und einem Bezugsdatum. Welches Bezugsdatum gilt, bestimmt der Abwertungsindikator:

Indikator Bezugsdatum
Letzter Zugang Datum des letzten Wareneingangs (jüngste Lagerbewegung mit positiver Menge)
Letzter Abgang Datum des letzten Warenausgangs (jüngste Lagerbewegung mit negativer Menge)
Letzter Zugang oder Abgang Das jüngere der beiden Daten

Prosoft rechnet das Alter in Monaten um, indem die Differenz in Tagen durch 31 geteilt und abgerundet wird.

Liegt zum gewählten Indikator keine Bewegung vor (z. B. Indikator „Letzter Abgang", aber der Artikel wurde nie entnommen), erfolgt keine Abwertung.

Wichtig: Das Bestandsalter bezieht sich auf die letzte Lagerbewegung — dazu zählen auch Bestandskorrekturen und Umlagerungen. Eine Bestandskorrektur mit positiver Menge (z. B. eine Inventuranpassung) setzt das Datum des letzten Zugangs auf das Korrekturdatum und kann dadurch das Bestandsalter zurücksetzen. In diesem Fall greift eine konfigurierte Abwertung möglicherweise nicht wie erwartet.

Abwertungssatz bestimmen

Aus dem ermittelten Alter in Monaten wählt Prosoft den passenden Abwertungssatz: Es gilt die höchste Stufe, deren Schwelle das Bestandsalter erreicht oder überschreitet. Liegt das Alter unterhalb der niedrigsten Stufe, beträgt die Abwertung 0 %.

Rechenbeispiel

Abwertungstabelle mit Indikator „Letzter Zugang":

Ab Monaten Abwertung
6 10 %
12 25 %
24 50 %

Der letzte Wareneingang war am 22.08., der Stichtag ist der 30.09. Das Alter beträgt (39 Tage / 31) = 1 Monat. Die niedrigste Stufe beginnt bei 6 Monaten — das Alter liegt darunter, daher beträgt die Abwertung 0 %.

Angenommen, der letzte Wareneingang wäre am 15.01. gewesen: Das Alter beträgt (258 Tage / 31) = 8 Monate. Die Stufe „ab 6 Monaten" (10 %) greift, die Stufe „ab 12 Monaten" ist noch nicht erreicht. Die Abwertung beträgt 10 %.

Bewertung nach Letztem EK ergibt 600,00 €. Mit 10 % Abwertung:

600,00 € × (100 % − 10 %) = 600,00 € × 90 % = 540,00 €

Bei einem Alter von 14 Monaten (Abwertung 25 %):

600,00 € × (100 % − 25 %) = 600,00 € × 75 % = 450,00 €

Bewertungsschemas

Ein Bewertungsschema legt pro Produktgruppe fest, mit welcher Methode und welcher Abwertungstabelle der Bestand bewertet wird.

Bewertungsmethoden

Methode Beschreibung
Nullbewertung Bestand wird mit Wert 0 angesetzt
Standardpreis Fester, im Artikelstamm hinterlegter Preis
FIFO Bewertung auf Basis der ältesten Wareneingänge
Gleitender Durchschnitt Gewichteter Durchschnittspreis über alle Wareneingänge
Letzter Einkaufspreis Preis des jüngsten Wareneingangs
Niedrigster Einkaufspreis Günstigster Einkaufspreis aller Wareneingänge

Aufbau

Jede Zeile im Schema ordnet einer Produktgruppe eine Bewertungsmethode und optional eine Abwertungstabelle zu. So können z. B. Elektronikkomponenten nach FIFO bewertet und nach 12 Monaten abgewertet werden, während Rohstoffe zum gleitenden Durchschnitt bewertet werden.

Bewertungsmethoden im Detail

Für die folgenden Beispiele gilt ein gemeinsamer Ausgangspunkt:

Artikel: Hydraulikschlauch DN12, Bestandseinheit: Meter

Wareneingang Buchungsdatum Menge Einkaufspreis Eingangsrechnung
WE-001 15.01. 200 m 4,00 €/m 4,20 €/m
WE-002 10.04. 150 m 4,50 €/m —
WE-003 22.08. 100 m 5,00 €/m 5,00 €/m

Stichtag: 30.09., Bestand am Stichtag: 120 m, Standardpreis: 4,80 €/m (gültig ab 01.01.)

Nullbewertung

Der Bestand wird mit dem Wert 0 angesetzt. Diese Methode eignet sich für Artikel, die nicht in die Bestandsbewertung einfließen sollen, z. B. Gratismuster oder Werbematerial.

Bewertung: 0,00 €

Standardpreis

Die Bewertung erfolgt auf Basis eines festen Preises aus dem Artikelstamm. Prosoft sucht den Standardpreis, der zum Stichtag gültig ist (Gültigkeitszeitraum umfasst den Stichtag), zur passenden Währung und Verpackungseinheit. Existieren mehrere gültige Standardpreise, wird der zuletzt angelegte verwendet. Existiert kein gültiger Standardpreis, bleibt die Position unbewertet.

Beispiel: Der Standardpreis zum 30.09. beträgt 4,80 €/m.

120 m × 4,80 €/m = 576,00 €

FIFO (First In, First Out)

Die Bestandsmenge wird den Wareneingängen in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge zugeordnet — beginnend beim jüngsten Eingang. Für jeden Wareneingang wird der Einstandspreis ermittelt und mit der zugeordneten Menge multipliziert. Die Zuordnung endet, sobald die gesamte Bestandsmenge abgedeckt ist. Das Ergebnis ist die Summe der Teilbewertungen.

Reicht die Gesamtmenge aller Wareneingänge nicht aus, um die Bestandsmenge vollständig abzudecken, bleibt die Position unbewertet.

Beispiel: Prosoft ordnet die 120 m rückwärts zu:

Wareneingang Zugeordnete Menge Einstandspreis Teilwert
WE-003 (22.08.) 100 m 5,00 €/m 500,00 €
WE-002 (10.04.) 20 m 4,50 €/m 90,00 €

WE-003 hat eine Eingangsrechnung mit 5,00 €/m — dieser Preis wird verwendet. WE-002 hat keine Eingangsrechnung, daher gilt der Bestellpreis von 4,50 €/m.

Bewertung: 500,00 € + 90,00 € = 590,00 €

Gleitender Durchschnitt

Der Durchschnittspreis ergibt sich aus allen Wareneingängen, gewichtet nach Menge: Die Einstandspreise werden jeweils mit der gelieferten Menge multipliziert, die Summe durch die Gesamtliefermenge geteilt. Dieser Durchschnittspreis wird dann mit der Bestandsmenge multipliziert.

Optional kann im Bewertungsschema ein Zeitraum in Tagen hinterlegt werden. In diesem Fall fließen nur Wareneingänge ein, deren Buchungsdatum innerhalb dieses Zeitraums vor dem jüngsten Buchungsdatum liegt.

Beispiel ohne Zeitraum-Einschränkung:

Wareneingang Menge Einstandspreis Wert
WE-001 200 m 4,20 €/m 840,00 €
WE-002 150 m 4,50 €/m 675,00 €
WE-003 100 m 5,00 €/m 500,00 €

Durchschnittspreis: (840,00 € + 675,00 € + 500,00 €) / (200 m + 150 m + 100 m) = 2.015,00 € / 450 m = 4,4778 €/m

Bewertung: 120 m × 4,4778 €/m = 537,33 €

Beispiel mit Zeitraum 180 Tage: Der jüngste Wareneingang ist vom 22.08. Nur Wareneingänge ab dem 24.02. fließen ein — WE-001 (15.01.) fällt heraus. Der Durchschnitt bildet sich aus WE-002 und WE-003:

(675,00 € + 500,00 €) / (150 m + 100 m) = 1.175,00 € / 250 m = 4,70 €/m

Bewertung: 120 m × 4,70 €/m = 564,00 €

Letzter Einkaufspreis

Die gesamte Bestandsmenge wird einheitlich mit dem Einstandspreis des jüngsten Wareneingangs bewertet. Prosoft ermittelt den letzten nicht-stornierten Wareneingang vor dem Stichtag für den jeweiligen Artikel und die jeweilige Einheit und verwendet dessen Einstandspreis.

Existiert kein bewertbarer Wareneingang, bleibt die Position unbewertet.

Beispiel: Der jüngste Wareneingang ist WE-003 vom 22.08. Dazu liegt eine Eingangsrechnung mit 5,00 €/m vor — dieser Preis wird als Einstandspreis verwendet.

120 m × 5,00 €/m = 600,00 €

Wäre WE-003 storniert, würde Prosoft auf WE-002 zurückgreifen. Da dort keine Eingangsrechnung vorliegt, gilt der Bestellpreis: 120 m × 4,50 €/m = 540,00 €.

Niedrigster Einkaufspreis

Die gesamte Bestandsmenge wird einheitlich mit dem günstigsten Einstandspreis bewertet. Prosoft ermittelt für jeden nicht-stornierten Wareneingang bis zum Stichtag den Einstandspreis je Einheit und wählt das Minimum. Die gesamte Bestandsmenge wird mit diesem Preis bewertet.

Existiert kein bewertbarer Wareneingang, bleibt die Position unbewertet. Diese Methode führt zur vorsichtigsten Bewertung und eignet sich zur Umsetzung des Niederstwertprinzips.

Beispiel: Prosoft vergleicht die Einstandspreise aller drei Wareneingänge:

Wareneingang Einstandspreis
WE-001 4,20 €/m (aus Eingangsrechnung)
WE-002 4,50 €/m (aus Bestellung)
WE-003 5,00 €/m (aus Eingangsrechnung)

Minimum: 4,20 €/m (WE-001)

120 m × 4,20 €/m = 504,00 €

Vergleich der Methoden

Für denselben Bestand von 120 m ergeben sich folgende Bewertungen:

Methode Bewertung
Nullbewertung 0,00 €
Niedrigster Einkaufspreis 504,00 €
Gleitender Durchschnitt 537,33 €
Gleitender Durchschnitt (180 Tage) 564,00 €
Standardpreis 576,00 €
FIFO 590,00 €
Letzter Einkaufspreis 600,00 €

Einstandspreis

Die Methoden FIFO, Gleitender Durchschnitt, Letzter Einkaufspreis und Niedrigster Einkaufspreis verwenden als Preisgrundlage den Einstandspreis des jeweiligen Wareneingangs. Der Einstandspreis setzt sich zusammen aus dem Einkaufspreis und den anteiligen Bezugsnebenkosten.

Prosoft ermittelt den Einkaufspreis nach dem Genauigkeitsprinzip: Liegt zum Wareneingang eine gebuchte Eingangsrechnung vor, wird deren Preis verwendet. Existieren mehrere Eingangsrechnungen zur selben Wareneingangsposition, bildet Prosoft den gewichteten Durchschnitt nach Rechnungsmenge. Liegt keine Eingangsrechnung vor, gilt der Preis aus der Bestellposition. Wareneingänge ohne Bestellbezug (z. B. Muster oder Beistellungen) werden mit dem Preis 0 angesetzt.

Bezugsnebenkosten (Fracht, Zoll, Versicherung) werden über eine Bezugskostenverteilung auf die Wareneingangs-Positionen verteilt. Beim Anlegen der Verteilung wählt der Anwender eine Verteilmethode:

Verteilmethode Verteilschlüssel Eignung
Warenwert Anteil des Positionswarenwerts am Gesamtwarenwert Wenn die Frachtkosten mit dem Wert der Ware zusammenhängen
Nettogewicht Anteil des Positionsgewichts am Gesamtgewicht Wenn die Frachtkosten gewichtsabhängig sind

Der ermittelte Kostenanteil wird je Mengeneinheit auf den Einkaufspreis aufgeschlagen und fließt so in den Einstandspreis ein.

Beispiel: Eine Frachtrechnung über 450,00 € wird auf drei Wareneingangs-Positionen verteilt.

Verteilung nach Warenwert:

WE-Position Warenwert Anteil Frachtkosten
WE-001 (200 m × 4,20 €) 840,00 € 41,7 % 187,85 €
WE-002 (150 m × 4,50 €) 675,00 € 33,5 % 150,74 €
WE-003 (100 m × 5,00 €) 500,00 € 24,8 % 111,41 €
Gesamt 2.015,00 € 100 % 450,00 €

Der Einstandspreis von WE-001 erhöht sich damit von 4,20 €/m auf 4,20 € + (187,85 € / 200 m) = 5,14 €/m.

Weichen die Einheiten zwischen Wareneingang und Bewertung voneinander ab, rechnet Prosoft automatisch über die hinterlegten Einheitenumrechnungen um.

Methode nicht berechenbar

Kann Prosoft die konfigurierte Methode nicht berechnen — z. B. weil kein Wareneingang vorliegt —, wird ersatzweise der Standardpreis herangezogen. Ist auch kein gültiger Standardpreis vorhanden, bleibt die Position unbewertet.

Berücksichtigte Wareneingänge

Alle wareneingangsbasierten Methoden berücksichtigen ausschließlich Wareneingänge, die folgende Bedingungen erfüllen:

  • Der Wareneingang ist nicht storniert.
  • Das Buchungsdatum liegt vor oder am Stichtag der Bewertung.
  • Es handelt sich nicht um einen Streckengeschäft-Wareneingang (die Ware durchläuft dort nicht das eigene Lager).

Verwendung

Bewertungsschemas werden in der Bestandsbewertung und in der Produktkostenkalkulation verwendet.