Auftragsstücklisten
Eine Auftragsstückliste beschreibt, aus welchen Baugruppen und Materialien eine Auftragsposition gefertigt wird. Im Gegensatz zu klassischen Artikel-Stücklisten ist sie auftragsbezogen und wächst über die Projektlaufzeit — typisch für Einzel- und Auftragsfertigung im Maschinen- und Anlagenbau, wo die Konstruktion erst nach Auftragserteilung abgeschlossen wird.
Aufbau einer Auftragsstückliste
Eine Auftragsstückliste gehört immer zu genau einer Auftragsposition und ist hierarchisch aufgebaut. Es gibt drei Arten von Positionen:
| Positionstyp | Verwendung |
|---|---|
| Baugruppe | Fasst Material- und weitere Baugruppenpositionen zu einer Einheit zusammen. Steht für ein real gefertigtes oder montiertes Teil. |
| Dummy-Baugruppe | Reine Strukturierungshilfe ohne eigenen Artikelbezug — zum Beispiel zur Abbildung funktionaler Gruppen, die nicht als Einheit gefertigt werden. Ihre Menge wirkt als Multiplikator auf die Unterpositionen. |
| Material | Einzelteil mit Artikel- und Mengenangabe. Bezieht sich auf einen Stammartikel. |
Jede Baugruppe kann weitere Unterbaugruppen und Materialpositionen enthalten. Die Positionsnummern (z. B. 1.2.3) werden automatisch aus der Hierarchie gebildet.
Anlegen einer Auftragsstückliste
Auftragsstücklisten werden im Modul Auftragsstücklisten verwaltet. Über Neu wird eine neue Stückliste für eine Auftragsposition angelegt. Nach Auswahl der Auftragsposition werden Bezeichnung und Beschreibung aus der Position vorausgefüllt und können übernommen oder angepasst werden.
Pro Auftragsposition kann nur eine aktive Auftragsstückliste existieren. Nicht mehr benötigte Stücklisten können archiviert werden.
Positionen hinzufügen
In der geöffneten Stückliste stehen im Reiter Positionen drei Aktionen zur Verfügung:
- Material hinzufügen — Einzelteil mit Artikel und Menge
- Baugruppe hinzufügen — echte Baugruppe, optional mit Artikelbezug
- Dummy-Baugruppe hinzufügen — reine Strukturgruppe ohne Artikel
Eine neue Position wird unter der aktuell selektierten Baugruppe eingefügt. Ohne Auswahl wird sie als Hauptposition angelegt.
Wichtig: Unter einer bereits freigegebenen Baugruppe können keine neuen Positionen mehr angelegt werden. Dafür muss die Freigabe der übergeordneten Baugruppe zuerst zurückgezogen werden.
Positionen müssen nicht von Hand entstehen: Der Elektro-Anteil einer Maschine kann aus der Elektrokonstruktion übernommen werden — siehe EPLAN-Stücklistenimport. Das dort eingehängte Material liegt in einem eigenen Ast und wird bei einem erneuten Import fortgeschrieben.
Status einer Position
Jede Position durchläuft einen dreistufigen Status:
| Status | Bedeutung |
|---|---|
| Entwurf | Position ist in Bearbeitung. Änderungen sind ohne Dokumentation möglich. |
| Freigegeben | Position ist für Beschaffung und Fertigung freigegeben. Änderungen werden protokolliert. |
| Abgeschlossen | Position ist vollständig beschafft und gefertigt. Änderungen sind in der Regel nicht mehr vorgesehen. |
Der Statuswechsel erfolgt manuell über die Aktionen Freigeben, Freigabe zurückziehen und Abschließen. Für Baugruppen werden beim Freigeben und Abschließen alle untergeordneten Positionen mitgenommen.
Zusätzlich zum manuellen Status werden zwei weitere Statusfelder automatisch geführt:
- Beschaffung — spiegelt den Bestell- und Lieferstatus der Position wider
- Fertigung — spiegelt den Fortschritt in der Produktion wider
Diese gecachten Statusfelder dienen der schnellen Übersicht in der Baumansicht und müssen nicht manuell gepflegt werden.
Rohmaterial unter einem Fertigungsteil ergänzen
Die Konstruktion liefert eine Fertigungsstruktur nur bis zum Fertigungsteil — etwa ein Blech in seiner Endabmessung. Die Platte, aus der dieses Blech gelasert wird, ist kein Konstruktionsergebnis und steht deshalb in keinem CAD-Stand; beschafft werden muss sie trotzdem. Die Arbeitsvorbereitung ergänzt sie in der Auftragsstückliste, indem sie die Materialposition des Fertigungsteils zur Baugruppe aufwertet und das Rohmaterial darunter hängt.
Die Aktion Zur Baugruppe aufwerten steht an jeder Materialposition zur Verfügung, die nicht abgeschlossen ist. Der Artikel der Position bleibt dabei unverändert — es ist dasselbe Teil, es wird nur ab jetzt selbst gefertigt. Anschließend ergänzt die Aktion Rohmaterial ergänzen darunter eine Materialposition mit Artikel und Menge.
Aufwerten lassen sich nur Positionen, deren Artikel im Dispobereich des Auftrags eigengefertigt ist (Beschaffungsart Eigenfertigung oder Gemischt). Bei einem Zukaufteil wird die Aufwertung mit einem Hinweis abgewiesen: Das Teil würde sonst weder beschafft noch gefertigt werden. Ist die Beschaffungsart falsch hinterlegt, wird sie zuerst im Artikelstamm korrigiert.
Wichtig: Nach der Aufwertung wird das Fertigungsteil selbst nicht mehr beschafft — beschafft wird das Rohmaterial darunter. Einen Produktionsauftrag erhält es ebenfalls nicht automatisch über die Disposition, sondern erst über die Aktion Produktionsauftrag erzeugen (siehe nächster Abschnitt). Wurde für die Position bereits ein Dispositionsvorschlag erzeugt, bleibt dieser stehen und wird nicht automatisch entfernt; er ist bei Bedarf im Einkauf zu verwerfen.
Anders als beim regulären Weg darf Rohmaterial auch unter einer bereits freigegebenen Position ergänzt werden, selbst wenn deren Beschaffung schon läuft — genau dann braucht die Arbeitsvorbereitung die zusätzliche Ebene. Prosoft erzeugt dafür einen quittierbaren Änderungshinweis, damit Einkauf und Fertigung die Ergänzung mitbekommen. Die neue Materialposition startet im Status Entwurf und läuft anschließend über den normalen Weg Freigeben in die Beschaffung.
Die Aufwertung ist über Aufwertung zurücknehmen umkehrbar, solange unter der Position noch kein Material ergänzt wurde. Danach wird die Rücknahme abgewiesen, weil eine Materialposition keine Unterpositionen haben darf — dafür sind zuerst die Unterpositionen zu entfernen.
Ein erneuter Abgleich mit dem Konstruktionsstand lässt eine aufgewertete Position unangetastet: Positionstyp und ergänztes Rohmaterial bleiben erhalten, auch über mehrere Läufe. Menge, Artikel und Umhängen der Position werden weiterhin wie bei jeder anderen Position abgeglichen. Entfällt das Teil im Konstruktionsstand, bleibt die aufgewertete Position samt Rohmaterial bestehen und Prosoft erzeugt einen quittierbaren Änderungshinweis — ob die Position tatsächlich entfällt, entscheidet die Arbeitsvorbereitung.
Produktionsauftrag erzeugen
Aus einer freigegebenen Baugruppe lässt sich direkt ein Produktionsauftrag erzeugen. Die Aktion Produktionsauftrag erzeugen steht in der Positionsliste an jeder freigegebenen Eigenfertigungs-Baugruppe zur Verfügung, für die noch kein Produktionsauftrag besteht.
Hat die Baugruppe eigene Eigenfertigungs-Unterbaugruppen, entsteht dabei nicht nur ein einzelner Auftrag, sondern ein verkettetes Netz: Prosoft legt für die gewählte Baugruppe und alle darunterliegenden Eigenfertigungs-Baugruppen je einen Produktionsauftrag an und verkettet sie von oben nach unten entlang der Stücklistenhierarchie. Zugekaufte Baugruppen und Materialpositionen werden übersprungen — für sie entsteht kein Produktionsauftrag.
Die erzeugten Produktionsaufträge fertigen nach dieser Auftragsstückliste, nicht nach der Artikel-Stückliste. Der Materialbedarf kommt also aus der Struktur, die hier gepflegt wird; eine Artikel-Stückliste ist dafür nicht erforderlich. Dummy-Baugruppen werden dabei aufgelöst: ihr Material wandert mit hochgerechneter Menge in den nächsten echten Produktionsauftrag, für die Dummy-Baugruppe selbst entsteht keine Stücklistenzeile. Details dazu im Abschnitt Materialbedarf aus der Auftragsstückliste.
Eine Position, die noch nicht freigegeben ist, kann nicht in den Materialbedarf übernommen werden — die Aktion ist dann gesperrt und nennt die betroffene Position. Grund: Der Bedarf einer Position entsteht erst mit ihrer Freigabe. Vor dem Erzeugen also den gesamten Ast freigeben. Typisch wird das direkt nach dem Ergänzen von Rohmaterial: Es gilt die Reihenfolge erst das ergänzte Rohmaterial freigeben, dann den Produktionsauftrag erzeugen.
Nach dem Erzeugen meldet Prosoft, was entstanden ist — der Produktionsauftrag allein oder der Produktionsauftrag mit der Anzahl seiner untergeordneten Aufträge — und bietet an, direkt dorthin zu wechseln. Die Baugruppe steht anschließend im Fertigungsstatus In Fertigung, und die Aktion wird für sie nicht mehr angeboten.
Wichtig: Für dieselbe Baugruppe entsteht kein doppelter Produktionsauftrag. Wurde eine Unterbaugruppe bereits einzeln vernetzt, überspringt Prosoft sie beim Erzeugen von einer übergeordneten Baugruppe aus — sie wird dann auch nicht mitgezählt. Ihr Produktionsauftrag bleibt damit außerhalb des übergeordneten Netzes; nachträglich einhängen lässt er sich über Netz mit der Auftragsstückliste abgleichen.
Wie die verketteten Produktionsaufträge mit einem Arbeitsplan ergänzt, freigegeben und fertiggestellt werden, beschreibt der Abschnitt Produktionsauftrags-Netz.
Netz mit der Auftragsstückliste abgleichen
Die Auftragsstückliste wächst während der Konstruktion weiter, ein aufgebautes Netz bleibt dagegen unverändert. Hängt die Konstruktion eine bereits beauftragte Baugruppe später unter eine neu entstandene Oberbaugruppe, bleibt ihr Produktionsauftrag außerhalb des Netzes und die Fertigstellungs-Abhängigkeit greift für diesen Ast nicht. Die Aktion Netz abgleichen holt ihn nachträglich herein.
Die Aktion steht in der Positionsliste an jeder freigegebenen Baugruppe, für die bereits ein Produktionsauftrag erzeugt wurde — an derselben Stelle, an der zuvor Produktionsauftrag erzeugen angeboten wurde. Der Abgleich läuft ausschließlich auf Anforderung; Prosoft hängt Produktionsaufträge nicht selbsttätig um.
Angepasst wird nur, was noch nicht in Arbeit ist: ein nicht freigegebener Produktionsauftrag oder ein freigegebener ohne Rückmeldung und ohne Feinplanung. Ein solcher Auftrag wird samt seiner untergeordneten Aufträge an die richtige Stelle im Netz gehängt und in der Menge auf den Bedarf der Oberbaugruppe nachgezogen. Liegt eine Dummy-Baugruppe dazwischen, wird deren Menge mitgerechnet.
Alles andere wird gemeldet statt angefasst: ein teilweise gefertigter, fein eingeplanter, abgeschlossener oder stornierter Auftrag, ein Auftrag, der einen fremden Bedarf deckt, sowie eine im Konstruktionsstand entfallene Baugruppe, deren Auftrag noch im Netz hängt. Für jeden Befund entsteht ein Änderungshinweis an der betroffenen Position, über den die Arbeitsvorbereitung entscheidet. Nach dem Abgleich meldet Prosoft, wie viele Aufträge eingehängt, in der Menge angepasst und gemeldet wurden.
Der Abgleich kann beliebig oft ausgeführt werden. Ein weiterhin bestehender Befund wird bei jedem Lauf erneut gemeldet; solange der zugehörige Änderungshinweis noch unquittiert ist, entsteht daneben kein zweiter mit gleichem Inhalt. Erst nach dem Quittieren wird der Hinweis wieder neu angelegt.
Wichtig: Das Einhängen lässt sich nicht zurücknehmen. Eine einzelne Netzposition kann nicht wieder aus ihrem Netz gelöst werden, und das Löschen des gesamten Netzes entfernt auch die untergeordneten Produktionsaufträge. Vor dem Abgleich ist daher zu prüfen, ob die Auftragsstückliste dem gewünschten Konstruktionsstand entspricht.
Änderungsprotokoll und Änderungshinweise
Änderungen an freigegebenen Positionen werden in zwei Formen festgehalten:
Änderungsprotokoll (Reiter Änderungsprotokoll): Jede Änderung an einer freigegebenen Position wird mit Feldname, Vorher-/Nachher-Wert, Datum und Benutzer protokolliert. Das Protokoll dient der Nachvollziehbarkeit und Revisionssicherheit.
Änderungshinweise (Reiter Änderungshinweise): Wurde eine Position bereits bestellt oder befindet sie sich in Fertigung, erzeugt eine Änderung zusätzlich einen Änderungshinweis. Dieser muss von der zuständigen Person quittiert werden und stellt sicher, dass nachgelagerte Abteilungen (Einkauf, Arbeitsvorbereitung, Fertigung) über die Änderung informiert werden.
Der Unterschied: Das Änderungsprotokoll ist passiv (nur Dokumentation), Änderungshinweise sind aktiv (erfordern Handlung).
Löschen und Entfallen
Beim Entfernen einer Position ist zwischen zwei Aktionen zu unterscheiden:
- Löschen — entfernt die Position dauerhaft. Nur bei Positionen im Status Entwurf möglich.
- Entfallen — markiert die Position als nicht mehr benötigt, behält sie aber sichtbar und historisiert. Nur bei bereits freigegebenen Positionen möglich.
Dadurch bleiben Änderungen an freigegebenen Stücklisten nachvollziehbar, während reine Entwurfsfehler spurlos korrigiert werden können.
Auftragsgesamtstückliste
Das Modul Auftragsgesamtstückliste zeigt alle aktiven Auftragsstücklisten eines Auftrags in einer durchgängigen Baumansicht. Pro Auftrag werden die einzelnen Stücklisten je Auftragsposition als oberste Knoten dargestellt, darunter die vollständige Hierarchie aus Baugruppen und Materialien.
Über die Aktion Stückliste öffnen kann aus der Gesamtübersicht direkt in die zugehörige Einzelstückliste gesprungen werden. Diese Ansicht dient als Gesamtüberblick für Projektleitung, Einkauf und Fertigungssteuerung und ist hilfreich, wenn ein Projekt aus mehreren Anlagenkomponenten besteht.